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Chronik

Jugendblasorchester Tann/Rhön mit musikalischem Erbe
Enthusiasmus, damals wie heute, ist eine wesentliche Grundlage des Jugendblasorchesters Tann. Durch viele schwierige Epochen hindurch blieb die Liebe zur Musik aufrecht erhalten. Daraus resultiert heute die zeitgemäße Blaskapelle mit hohem musikalischem Niveau.
Die Rhön ist ein waldreiches, rauhes Mittelgebirge. Hauptschälich ländliche Gebiete dominieren diese Region. Drei Bundesländer durchschneiden diese Gebirgskette: Hessen, Bayern und Thüringen. Viele Sagen und Märchen umgeben diese herrlichen Gefilde. Märchenhaft ist auch die Liebe zur Blasmusik, denn in Tann und Umgebung dient die Blasmusik immer als eine "Quelle der Kraft", wie es die Einwohner von sich behaupten. Lange noch bevor Musikvereine existierten, wurden Grundsteine für die Kameradschaft gelegt. Die musikalische Geschichte der Stadt Tann ist spannend wie ein Krimi. "Die Herren von der Tann" bestimmten anno 1700, dass das Musizieren zur Pflicht erhoben wird. Durch diese Musikordnung wurde es zu einer Obliegenheit. Das Gebot sollte die in Not geratene Kirchenmusik wiederbeleben. Aber nicht nur Sakralmusik zählte zu den Notwendigkeiten in der Rhön, sondern auch die weltlichen Feste erhielten durch das Fürstenhaus klangvolle Unterstützung. So kam es, dass in dem hessischen örtchen Tann und Umgebung fast jeder ein Instrument beherrschte. Im 18. Jahrhundert wurde es bei Strafe verboten, in der Rhön öffentlich Posaune oder Trompete zu spielen. Das galt als Privileg der Fürstenhöfe.

Formierung aus 3 Kapellen

Die Vorläufer des heutigen Musikvereins Tann gehen auf das Jahr 1902 zurück. Aus drei Orchestern formierte sich die gegenwärtige Stammversion. Die "Musikkapelle Tann" wurde am 02. Februar 1902 erstmals urkundlich erwähnt. Nur unbescholtene junge Männer durften beitreten, Frauen hatten keine Chance. Strenge Sitten auch in der Satzung von 1907. Wer dreimal unentschuldigt fehlte, der wurde aus dem Verein ausgeschlossen. Die Musikkapelle Günthers rief Conrad Jakob 1920 ins Leben. 15 Musikanten zählte das Orchester. Die Gage bestand damals meist aus Speisen und Getränken. Die erste Satzung der Musikkapelle Lahrbach ist auf den 07. Januar 1912 datiert. Auftritte zu kirchlichen Anlässen nahmen hier einen Großteil der Aktivitäten des Vereins ein. So sind Auftritte zum Weißen Sonntag, zu Fronleichnam, Wallfahrten und anderen kirchlichen Festtagen in Lahrbach bis heute Tradition geblieben. Das Jahr 1972 stellte einen Meilenstein in der Geschichte des Musikvereins von Tann dar; im Sommer dieses Jahres schlossen sich die Kapellen aus Tann, Günthers und Lahrbach durch die Initiative von Franz Schwerd (Lahrbach), Georg Jakob (Günthers) und Karl Weisenborn (Tann) zum Jugendblasorchester des Musikvereins Tann zusammen. Ein solcher Zusammenschluß war allerdings nur möglich, da in Lahrbach noch eine aktive Kapelle bestand. In Günthers und der Kerngemeinde von Tann konnte man zu dieser Zeit nicht mehr von einer Vereinstätigkeit einer Kapelle sprechen. Enthusiasmus und Engagement spielten die erste Geige im Orchester. Die Jugendarbeit machte große Fortschritte, so daß das Ensemble mit der Zeit zu einem der Leistungsträger der Blasmusik in dieser Region avancierte. Nach dem Beitritt zum Musikverband Fulda konnte der Verein an Wertungsspielen teilnehmen. Mit den Jahren wuchs die Perfektion, der Verein investierte in schicke Uniformen und eine Gesangsanlage. Teure Investitionen die sich aber lohnten. Neben der guten musikalischen Qualität ist der Gesang bis heute ein sehr geschätzter Bestandteil im Repertoire des Jugenblasorchesters Tann/Rhön geblieben. Neben der kontinuierlichen Musikpflege bot der Verein seinen Mitgliedern auch weitere Aktivitäten, in deren Vordergrund die Förderung des Vereinslebens insgesamt im Vordergrund stand. In diesem Zusammenhang können Vereinsfahrten nach Bremerhaven, Hamburg und Oberammergau, sowie Oberhof, Zwiesel und Neustadt genannt werden. Die Aufnahme von Tonträgern hoben das Prestige der Blaskapelle weiter an. Endlich konnten auch die zahlreichen Sympathisanten ihrem Jugendblasorchester Tann in den eigenen vier Wänden lauschen.

Volkstümliche Blasmusik

In jeder Hochsaison (Mai - September) ist das Jugendblasorchester fast jedes Wochenende auf Achse. Gerne wird das Repertoire, volkstümliche Blasmusik in der Großgemeinde Tann und Umgebung verlangt. Werke von Ernst Mosch, Elmar Wolf, Franticek Kmoch, Franz Bummerl etc. sind die meist gespielten Kompositionen. Blechblasinstrumente, Klarinetten und Schlagzeug lassen den typischen Sound für Polkas, Walzer und Märsche entstehen. 25-30 aktive Musiker bringen die Vorliebe zur Blasmusik imposant zum Ausdruck. In 1995 schenkte das "hessen fernsehen" dem Jugenblasorchester seine Aufmerksamkeit. So gastierte der Verein in der Sendung Marktplatzgespräch. Eine gute Jugendarbeit sorgt für den nötigen Nachwuchs. Hierzu geben die jährlichen Informationsabende Aufschluß über Unterrichtsmöglichkeiten, Instrumentenverleih, Ausbildungskosten u.v.m. Seit mehreren Jahren veranstaltet der Verein das Frühlingskonzert zu Ostern. Die Rhönhalle Tann platzt dann immer aus allen Nähten. Von besonderer Bedeutung ist dieses Konzert, da neben volkstümlichen Weisen auch moderne Musik präsentiert wird. Dieses verlangt natürlich gründliches, intensive Proben.
 
Rhöner Musikleben im 19. Jahrhundert

Von Gottfried Rehm:
Die Musik hat früher in der Rhön eine wichtige Rolle gespielt - sowohl in kultureller Hinsicht, da in vielen Orten musikalisch Beachtliches geleistet wurde, als auch auf sozialem Gebiet, denn die Musikanten mussten hier früher ihren Lebensunterhalt ganz oder teilweise durch Musik verdienen. Im ausgehenden Mittelalter gab es in den Städten, so auch in Tann, sogenannte Stadtpfeifereien, die unter der Leitung eines Stadtmusicus die weltliche und kirchliche Musik zu besorgen hatten. Das die Kirchenmusik in den Rhönorten intensiv gepflegt wurde, kann man daraus ersehen, dass in vielen Kirchenrechnungen immer wieder Ausgaben für kircheneigene Instrumente und deren Zubehör erscheinen, z.B. für Hörner, Violinen, Saiten, Bögen o. ä. Rhöner Musikanten zogen im 19. Jahrhundert während der Sommermonate "in aller Welt" umher. Sie spielten zu Tanz und Unterhaltung auf Messen, Märkten, Kirchweihen, Schützenfesten, zu Hochzeiten oder sonstigen Feierlichkeiten. Oft erhielten sie keine feste Entlohnung, sondern waren auf Spenden und Sammlungen angewiesen. Manchmal mieteten sie sich in der Fremde ein gemeinsames Logis und führten eine eigene Küche, um sparsamer leben zu können. Trotzdem brachten sie oft nur geringe Verdienste mit nach Hause. Es war die schwierige wirtschaftliche Situation, die im 19. Jahrhundert Rhöner Musikanten dazu zwang, sich außerhalb der Heimat ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Während sie in den Sommermonaten auf "Musikreisen" waren, mussten Frauen und Kinder zuhause die kleine Landwirtschaft versorgen oder als Dienstboten arbeiten. Viel verdient haben die Musiker bei ihren Auslandsreisen nicht, sie brachten durchschnittlich etwa 150 Gulden im Jahr mit nach Hause. Da eine Familie im 19. Jahrhundert etwa einen Gulden am Tag für ihren Lebensunterhalt benötigte, mussten Kinder der Musikanten sich meistens noch als Tagelöhner verdingen. Wenn die Musikanten im Herbst von ihren Reisen zurückkehrten, spielten sie in den Heimatorten bei weltlichen und kirchlichen Anlässen, z.B. an Kirmes und den Fastnachtstagen. Bei Tanzveranstaltungen auf den Dörfern saßen die Mädchen auf den Bänken rundherum im Saal, Tische und Stühle gab es damals nicht, und die Burschen hielten sich meistens an der Theke auf. Die polizeiliche Sperrstund war im 19. Jahrhundert im Hochstift Fulda während des Winterhalbjahres 9 Uhr abends und 10 Uhr im Sommer. Allerdings durfte an Kirmes und Fastnacht, bei Markttänzen und Ehrenzechen (Hochzeiten, Kindstaufen usw.) bis Mitternacht Tanzmusik gespielt werden.

Instrumentalmusik in Tann

Die Herren von der Tann förderten und finanzierten auch die Musik, vor allem im kirchlichen Bereich. Schon früh gab es in Tann einen "Stadtmusicus", der mit seinen Gesellen bei kirchlichen Anlässen aufzuspielen hatte. Nach dem Dreißigjährigen Krieg erließen die Herren von der Tann eine neue "Musikordnung", um die Kirchenmusik wieder zu beleben: Damals erhielten die Kirchensänger und Kirchenmusikanten gewisse Vorteile, u. a. waren mitwirkende Handwerksgesellen von der Wanderpflicht befreit. Diese Musikordnung hat das weltliche und kirchliche Musikleben in Tann sehr gefördert. Jeden Sonn- und Feiertag wurden nun wieder die Gottesdienste in der Stadtkirche instrumental und vokal ausgestaltet. Davon profitierte auch die Tanzmusik in der Stadt. An den üblichen Markttagen im Jahr (seit dem 19. Jahrhundert) und an den Kirmes- und Fastnachtstagen wurde hier in mehreren Sälen zum Tanz gespielt. Früher war es üblich, dass die Musikanten "das neue Jahr anbliesen", in Tann geschah das von den Türmen der Stadt. Das wurde jedoch 1790 von den Tanner Herren verboten. Im 18. Jahrhundert gab es den Tanner Trompeter Georg Adam Schmitt. In derBesoldungsliste des Fuldaer Fürstenhofes erscheint 1759 ein "Trompeter Schmitt aus der Tann", der vermutlich mit ihm identisch ist. 1760 wurde er vom Fürstbischof zum Fuldaer Stadtkirchner berufen "mit der Bedingniß, dass er auch die bey Unserer Hofhaltung und in der Schloßcapellen allenfalls vorkommende Diensten in Musica ohnentgeltlich mit versehen solle". Ab 1855 erhielten Adam Bräutigam, Valtin Fürst und Karl Graner Spiellizenzen für den Bezirk Hilders. 1856/57 kam noch Johann Georg Barthelmes dazu, der 1861 so beschrieben wird: 45 Jahre alt, spielt Flöte und Violine, Buchbinder, seit 1841 "mit Musik umherziehend", durchschnittlicher Jahresverdienst mit Musik 10 Gulden, ohne Vermögen, verheiratet mit Elisabeth, hat 4 Kinder, besitzt die Lizenz für Unterfranken. 1860 wird der Tanner Musiker J. G. Bach genannt. Über ihn schreibt das Landgericht Bischofsheim 1860, dass J. G. Bach von Obernhausen, nun zu Tann, durch hohe Regierungs-Entschließung vom 22. 11. 1841 in Folge eines Prüfungszeugnisses der Königlichen Schullehrerseminarsinspektion zu Würzburg vom 3. 9. 1838 zum Musikmachen auf Erwerb in den Landgerichtsbezirken Bischofsheim, Hilders, Weyhers, Brückenau und Mellrichstadt patentisirt worden sei." 1861 kam Julius Bräutigam als Musikant hinzu, der damals 16 1/2 Jahre alt war und ebenfalls bei Graner seine Prüfung gemacht hatte. 1861 beantragten und erhielten Karl Bräuning und Karl Gerstung Lizenzen für den Bezirk Hilders: Bräuning war ledig, damals 19 Jahre alt, untersetzt und hatte schwarze Haare; Gerstung war ledig, untersetzt, blond und 5 Fuß 6 Zoll groß. Beide wurden auch 1862 und 1863 für den neu errichteten Amtsbezirk Gersfeld lizenziert". Am 2. Februar 1902 gründeten Tanner Musikanten den "Musik- Verein Tann a. d. Rhön", eine Satzung gaben sie sich im Jahre 1907. Damals werden folgende Mitglieder genannt: H. und Karl Bräutigam, Johann Brotzmann, Karl Fürst, Karl Gerstung, F. und Karl Kuhl, Johann Kühn und Fr., Johann und Karl Weisenborn. Die Probestunden und Zusammenkünfte fanden im Haus Weisenborn statt. Die Instrumente waren Eigentum der Spieler und nicht aus Vereinsmitteln angeschafft.
 
Musikanten aus Lahrbach

Von Gottfried Rehm:
1846 wird der Musikant Adam Dänner aus Lahrbach in den Akten erwähnt. Er beantragte damals einen Reisepass für eine Musikreise in die Schweiz, ließ ihn aber dann "auf deutsche Staaten" umschreiben. 1855 erhielten Johann Ewald, Georg Kirst und Heinrich Leimbach aus Lahrbach Spiellizenzen für den Bezirk Hilders, ebenso 1856/57 und 1858/59. Georg Kirst wird 1856 so beschrieben: "42 Jahre alt, blond, mittelgroß, Nase und Mund proportioniert". Über Heinrich Leimbach heißt es 1856: "46 Jahre alt, mittelgroß, Nase und Mund proportioniert". 1860 wurden Andreas Ewald, Johann Ewald, Johann Gilbert, Georg Kirst und Heinrich Leimbach lizenziert, 1861/62 Johann und Amandus Ewald und Johann Gilbert. Johann Ewald wurde 1865 so beschrieben: "verheiratet, Schreinermeister, 49 Jahre alt", und von Amandus Ewald, heißt es: "ledig, Schreinergeselle". Die beiden Ewalds reichten Gesuche um Musiziergenehmigungen im Amtsbezirk Gersfeld ein, die aber abgelehnt wurde, da "der Nachweis der Befähigung fehle". Dass sie ihn dann nachgereicht haben, ist wahrscheinlich.
 

Musikverein Lahrbach  | mail@musikverein-lahrbach.de